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27.06.2024

Fachtag für kommunale Kitas in den Landkreisen Merzig-Wadern und Saarlouis

Kita-Fachtag 2024
Kita-Fachtag 2024


Zum Thema „Das sozial-emotionale Handicap bei Kindern im Vorschulalter“ fand am 12. Juni in Besseringen der zweite gemeinsame Fachtag für kommunale Kindertageseinrichtungen in den Landkreisen Merzig-Wadern und Saarlouis statt. Rund 90 Fachkräfte, Einrichtungsleitungen und Gesamtleitungen aus den kommunalen Einrichtungen nahmen teil.

Kindertageseinrichtungen nehmen vermehrt Kinder auf, die mit dem Kita-Alltag große Schwierigkeiten haben und somit die Fachkräfte besonders beanspruchen. Diese stoßen oftmals an die Grenzen ihrer pädagogischen Möglichkeiten. Der Fachtag widmete sich daher den Ursachen und Erscheinungsformen des sozial-emotionalen Handicaps bei Kindern unter 6 Jahren und der Vorstellung basal wirksamer und stressreduzierender Verfahren.

Psychologe Winfried Klaes stellte mit Blick auf die aktuellen Erkenntnisse der sozialen Neurowissenschaften dar, worin die Ursachen der blockierten Entwicklung in der Emotionskontrolle und im Sozialverhalten der oben beschriebenen Kinder liegen: Ein massives Stresserleben durch eine fehlende Bindung im frühen Kindesalter könne die Entwicklung des Gehirns und somit die Fähigkeit zur Stressregulation bis hin ins Erwachsenenalter beeinträchtigen. Der Psychologe stellte zudem die Symptome des sozial-emotionalen Handicaps vor und erklärte ausführlich die notwendige Abgrenzung zu anderen Diagnosen, wie beispielsweise zu ADHS.

Die Soziologin und Kunstpädagogin Anke Wagner zeigte, welche Auswirkungen ein gestresstes Gehirn auf die Entwicklung von Kindern hat. Sie erläuterte, wieso herkömmliche Interventionen noch mehr Stress erzeugen und stellte Methoden vor, die eine Bindung zu Kindern mit sozial-emotionalem Handicap ermöglichen. Das Gehirn befinde sich permanent in einem „Überlebensmodus“, weshalb das Kind wichtige Fertigkeiten wie Selbstregulation, Körperwahrnehmung und Konzentration nicht oder nur unzureichend erlernen könne. Eine stabile Bindung – also eine anhaltende, Sicherheit gebende emotionale Beziehung zu einer oder mehreren Personen –  beschrieb sie als unerlässliche Voraussetzung für die Emotionsregulation und die Entwicklung von Sozialkompetenzen. Zur Beruhigung des Nervensystems und zur Steigerung des Selbstwertes stellte sie körperorientierte und handlungsorientierte Verfahren vor.

Der gesellschaftliche Wandel der letzten Jahre hat große Auswirkungen auf diesen Symptomkomplex – und Institutionen wie Kindertages­einrichtungen und auch Schulen, die für die adäquate Begleitung dieser Kinder zuständig sind, tragen viel Verantwortung.

Der für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gewinnbringende Fachtag vermittelte viele neuen Ansätze für die Praxis und bot die Möglichkeit zum einrichtungs-, landkreis- und funktionsübergreifenden Austausch. Mit Blick auf die inklusive Ausrichtung des Kita-Systems ab 2028 wurden mehrfach Möglichkeiten der Vertiefung des Themas sowie weiterer Input für komplette Kita-Teams angeregt.

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