Aller.Land-Jury zu Besuch im Landkreis Merzig-Wadern
Kürzlich war eine Fachjury des Förderprogramms Aller.Land zu Gast im Landkreis Merzig-Wadern. Unter der Leitung von Hortensia Völckers, ehemalige künstlerische Direktorin der Kulturstiftung des Bundes, erhielt die Jury Einblicke in die bereits durchgeführten Kulturprojekte des Landkreises und tauschte sich mit regionalen Akteuren aus.
Aller.Land – zusammen gestalten. Strukturen stärken ist ein Förderprogramm für Kultur, Beteiligung und Demokratie. Es richtet sich an ländliche Regionen in Deutschland. Insgesamt 30 Regionen in Deutschland werden in das Programm aufgenommen und erhalten über fünf Jahre eine Förderung.
Der Landkreis Merzig-Wadern hatte sich für die Umsetzungsphase dieses Bundesprogramms beworben: Mit Kultur-Laboren sollen neue Formate in verschiedenen Kulturbereichen erprobt werden. Ziel ist es, die Strukturen im kulturellen Ehrenamt nachhaltig zu stärken, regionale Akteure zu vernetzen und Kulturschaffende aus der Region zu fördern.
„Kultur ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer Identität und damit ein wichtiger Bereich unserer Daseinsvorsorge“, sagt Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich. „Sie verbindet Generationen, stärkt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht unsere Städte und Gemeinden lebenswert; sie fördert Kreativität, Bildung und Innovation. Daher muss Kultur gefördert werden.“
Beim Besuch der Jury begrüßte Daniela Schlegel-Friedrich die Gäste an der Höckerlinie in Orscholz, die als ein Teil des Westwalls aus dem 2. Weltkrieg bis heute erhalten ist. Am Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus fand hier eine kritische Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte statt. Eine Trash-Drumming-Gruppe mit Schülern einer siebten Klasse der Gemeinschaftsschule an der Saarschleife in Orscholz trommelten auf großen Regentonnen in Gedenken an die Opfer an der Höckerlinie im Kriegswinter 1945. Vor Ort wurde deutlich, wie wichtig die Auseinandersetzung mit der regionalen Geschichte ist und dass die Schaffung einer Erinnerungskultur ein Ziel im Rahmen des Programms im Landkreis Merzig-Wadern sein wird.
Einen weiteren Eindruck in die Arbeit der Kultur-Labore erhielt die Jury auf der gemeinsamen Fahrt durch den Grünen Kreis von Orscholz nach Wadern. Corinna Preisberg vom Dreiland Theater in Wochern hat sich in drei Experimenten mit dem Thema Einsamkeit auseinandergesetzt. In Workshops mit Bürgern aus der Gemeinde Perl sind zehn Kurzhörstücke mit Gedichten aus der Romantik sowie Erzählungen zu Empfindungen und Geräuschen zum Thema Einsamkeit entstanden. Zu hören sind diese über die Website des Dreiland Theaters.
Ziel der Fahrt durch den Landkreis war das Kino der Lichtspiele Wadern: In einem gut besetzten Kinosaal mit Kulturakteuren und Projektbeteiligten begrüßte Bürgermeister Jochen Kuttler die Jury in seiner Heimatstadt und führte durch das Programm. Neben Eindrücken aus den bisherigen Kultur-Laboren kamen auch zukünftige Projektträger und Ideengeber zu Wort. Vorgestellt wurde auch die Kulturschatzkarte im Geoportal des Landkreises, auf der die Vielfalt der Kultureinrichtungen, Kulturschaffenden und kulturellen Vereine dargestellt wird.
Im Gespräch mit der Jury betonte Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich, „wie wichtig Kultur-Arbeit insbesondere im ländlichen Raum ist. Kultur schafft Orte der Begegnung, ermöglicht Teilhabe für alle und trägt dazu bei, dass sich unsere Heimat weiterentwickelt. Wer in Kultur investiert, investiert in die Zukunft.“
Nach dem Besuch der Jury gilt es nun, abzuwarten. Die Entscheidung, welche Regionen in das Förder-Programm aufgenommen werden, wird voraussichtlich im Sommer fallen.