Der FrauenNotruf Saarland informierte die Auszubildenden, Anwärterinnen und Praktikant*innen der Kreisverwaltung vor Kurzem über das Thema K.O.-Tropfen und sexualisierte Gewalt und deren Folgen.
Organisiert wurde die Veranstaltung durch die Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte Doreen Schrecklinger-Leuchtle in Zusammenarbeit mit dem Personalamt. Die Dozentinnen Sonja Bader und Annika Knerr vom FrauenNotruf sensibilisierten in dem Vortrag über die Formen sexualisierter Gewalt, die Gefahren durch K.O. Tropfen und dem Umgang mit Betroffenen.
Gewalt beginnt nicht erst mit Schlägen. Auch Bedrohungen, Beschimpfungen, Belästigungen und Kontrolle sind Formen von Gewalt. Sie kann Menschen aller sozialen Schichten und jeden Alters treffen - Kinder und Frauen gehören jedoch zu den besonders gefährdeten Personengruppen. Die Übergriffe gehen meist von Personen aus, die den Betroffenen bekannt sind und finden oftmals in vertrauter Umgebung statt, dort, wo man sich eigentlich sicher fühlt.
Jede Form der sexualisierten Gewalt hat für die Betroffenen weitreichende Folgen, die jahrelang andauern können. Umso wichtiger ist es, sich anderen anzuvertrauen und Unterstützung bei der Aufarbeitung der Geschehnisse zu erhalten.
Die Gleichstellungsstelle des Landkreises Merzig-Wadern beteiligte sich auch an der landesweiten Kampagne: „Mich kriegst du nicht K.O.! – Gemeinsam stark gegen K.O.-Tropfen“.
K.O.-Tropfen, Abkürzung für Knockout-Tropfen, sind Medikamente, die eine narkotisierende Wirkung haben. In Mischgetränken sind die Mittel kaum zu schmecken oder zu riechen. K.O.-Tropfen machen manipulierbar und wehrlos. Mit Alkohol gemischt wirken die Tropfen schnell, das Opfer scheint betrunken und ist willenlos. Nach Erwachen können sich die meisten Opfer aufgrund von Gedächtnislücken nicht mehr an die Tat oder den Tathergang erinnern. Oft fehlt ihnen die Erinnerung an einige Stunden. K.O.-Tropfen können auch in Tabletten- oder Pulverform, sowie als Injektion verabreicht werden.
„Mit der Schulung wollen wir informieren und aufklären“, betonen Doreen-Schrecklinger-Leuchtle, Sonja Bader und Annika Knerr „damit sich junge Frauen schützen können und im Ernstfall wissen, was zu tun ist und an wen sie sich wenden können“.
Beim gemeinsamen Gedanken- und Erfahrungsaustausch erhielten die Teilnehmenden auch Ratschläge, wie sie Betroffene unterstützen und sich selbst gleichzeitig abgrenzen können. Die Auszubildenden und Anwärterinnen sehen in dieser Schulung eine Chance, ab sofort achtsamer zu sein und verstärkter auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen. Anwärterin Elisa Alongi wurde durch die Schulung erstmalig bewusst, „dass sexualisierte Gewalt nicht nur physisch ausgeübt werden kann, sondern auch verbale Äußerungen oftmals übergriffig sind und somit persönliche Grenzen überschritten werden".Der eigenen Intuition zu vertrauen – aber auch sein Gegenüber besser einschätzen zu lernen und Grenzen zu setzen – diese wertvollen Erkenntnisse konnten alle Teilnehmenden aus der Schulung für sich mitnehmen.
Der FrauenNotruf Saarland ist eine zentrale Anlaufstelle für Frauen, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind. Neben kostenlosen Beratungsgesprächen erhalten die Betroffenen, falls gewünscht, auch umfängliche Begleitungen zu Anwälten, Polizei und anstehenden Gerichtsprozessen.
Kontakt:
FrauenNotruf
www.frauennotruf-saarland.de
oder telefonisch unter 0681/36767
Die K.O.-Tropfen Kampagne wurde von der Landesarbeitsgemeinschaft Kommunale Frauenbeauftragte, dem Ministerium für Arbeit, Soziales, Frauen und Gesundheit und den spezialisierten Fachberatungsstellen bei sexueller Gewalt – Nele, Phönix, FrauenNotrufSaarland sowie dem Weißen Ring – konzipiert.
(Text von unserer Auszubildenden Michelle Puhl – Ein herzlicher Dank!)