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Prävention, Vorbild sein, sich Bewegen – das sind Attribute, die beim Landkreis in Sachen Sport und Gesundheit im Mittelpunkt stehen. Deshalb veranstaltet der Landkreis Merzig-Wadern jedes Jahr in Kooperation mit dem Landessportverband für das Saarland und der Sparkasse Landkreis Merzig-Wadern das Sparkassen-Sportforum. „Immer mehr Kinder, inzwischen rund die Hälfte kann nicht mehr gerade stehen. Die Motorik wird insgesamt schlechter, was sich bei den Schuleingangsuntersuchungen durch das Gesundheitsamt zeigt. Deshalb ist die sportliche Aktivität im Verein eine präventive Maßnahme, die in vielen Bereichen positiv wirkt. Und auch zum großen Erfolg führen kann, wie die prominenten Gäste des Sportforums eindrucksvoll zeigen“, betonte Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich.

Was geht einem durch den Kopf, wenn Bundestrainer Jogi Löw auf dem eigenen Handy anruft und dich in den Kader der Nationalmannschaft beruft? Einer, der das ganz genau weiß, ist Profi-Fußballer Philipp Wollscheid. Der 27-jährige aus Morscholz war am Mittwoch beim 11. Sparkassen-Sportforum in der Waderner Filiale der Sparkasse zu Gast und erzählte unter anderem von seinen Erlebnissen mit der Nationalmannschaft. Die waren natürlich klasse, und selbstverständlich ist es der Hammer, wenn Jogi anruft und sagt: „Du bist dabei!“.
Begonnen hat seine sportliche Karriere beim SV Morscholz, ging unter anderem über den FC Saarbrücken, den 1. FC Nürnberg, Bayer Leverkusen bis in die englische Premier League, in der er aktuell für Stoke City spielt. Von einem kleinen Ort im Saarland in die teuerste Liga der Welt – das schaffte Philipp Wollscheid ganz ohne Kaderschmiede. Mit großer Leidenschaft, Talent und den richtigen Entscheidungen hat der sympathische und bodenständige junge Mann erreicht, wovon viele Jungs seit ihrer Kindheit träumen.

11. Sparkassen-Sportforum Bild 23
11. Sparkassen-Sportforum Bild 23

Doch es ist kein leichter Weg, man muss auch ungerechte Trainerentscheidungen hinnehmen, sich im Training durchgängig gut präsentieren und verstehen, dass Fußball ein Geschäft ist, mit dem viel Geld verdient wird. Spielerberater, Werbeverträge und Geldanlagen – das gehört im modernen Fußball inzwischen genauso dazu wie die Autogrammkarte. Das stellte Wollscheid während des Gesprächs mit Moderator Roman Bonnaire am Mittwoch ganz reflektiert klar. Überhaupt ist er für sein noch junges Alter sehr abgeklärt, weiß, wie der Hase läuft und kann gut abschätzen, warum manche Entscheidungen getroffen werden. Deshalb kann er sich derzeit gut vorstellen, nach der aktiven Karriere selbst Spielerberater zu sein. „Bodenständig und noch immer der Junge von nebenan“ – so beschrieb der Waderner Bürgermeister Jochen Kuttler den Sportler in seiner Vorstellung. Diesen Eindruck bestätigte der Fußballer während des Abends. Mit dem Wort „Star“ betitelt zu werden ist ihm unangenehm, für ihn ist „dehemm“ wirklich „dehemm“; auch hat er auf sein Honorar für den Abend verzichtet, was seinem Heimatverein eine Spende des Landkreises bescherte. Die EM schaut er sich entspannt vom Sofa aus an, freut sich vor allem auf die Ruhe und freie Zeit in den nächsten Wochen bis zum Trainingsbeginn in Stoke. Über Geld spricht er nicht gerne, nur so viel, dass er es konservativ anlegt und spart. Gleichzeitig sieht er die Summen, die teilweise an noch sehr junge Spieler gezahlt werden als Gefahr. Damit umzugehen, sei nicht immer einfach. Er selbst sei aber durch sein Elternhaus und ein gutes Umfeld nicht gefährdet gewesen. Dass nicht er, sondern mit Jonas Hektor ein anderer Saarländer bei der EM im deutschen Kader ist, sieht Philipp Wollscheid ebenfalls gelassen: „Schön, dass überhaupt ein Saarländer dabei ist“.

Was sind die größten Unterschiede zwischen Bundesliga und Premier Leage? „Das Spiel in England ist deutlich physischer, die individuelle Qualität der Spieler ist sehr hoch, aber taktisch sind sicher die anderen Nationen deutlich weiter. Für die Trainer ist es schwierig, einen neuen Stil durchzusetzen. Sonst ist vieles entspannter und angenehmer, beispielsweise ist der Mittwoch immer frei“, erzählte Philipp Wollscheid. Der Wechsel nach England war für ihn immer schon ein Thema. Es sei finanziell interessant, nicht so weit weg von Deutschland und biete die Möglichkeit die Sprachkenntnisse zu erweitern. Dass es trotz guter Kenntnisse manchmal schwierig wird, weiß der junge Saarländer aus Erfahrung: „Es ist nicht so einfach zu verstehen, wenn ein Ire oder ein Schotte in der Kabine einen Witz erzählt“. Seine Karriere will der „Morscholzer Jung“ auf jeden Fall in Deutschland beenden. Doch ein Ende ist derzeit noch überhaupt kein Thema.
Seine Einschätzung für Jogis Elf bei der EM ist optimistisch, auch wenn es die jüngste Mannschaft des Turniers ist. Das Alter sei jedoch erst mal nicht entscheidend, die deutsche Jugendarbeit sei sehr gut, so dass viele gute Spieler nachkommen. So sieht Philipp Wollscheid die Chancen der Deutschen gar nicht so schlecht.

Die rund 200 Besucher der Veranstaltung hatten mit Philipp Wollscheid viel zu lachen, interessante Einblicke ins Profi-Geschäft erhalten und einen Profi zum Anfassen erlebt. Das sollte auch so sein, denn, wie Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich in ihrer Begrüßung betonte, sei diese Veranstaltung für die vielen Vereinen und ihre ehrenamtlich aktiven Mitglieder gedacht. Man wolle ihre Arbeit schätzen und den Nachwuchs motivieren. Die prominenten Sportler seien ein schöner Beweis dafür, wie weit man es aus dem Heimatverein schaffen kann. Wie das laufen kann, erklärte der Präsident des Landessportverbandes für das Saarland, Klaus Meiser. Er stellte kurz die Situation des saarländischen Fußballs dar und gab gleich noch einen Ausblick auf die saarländischen Hoffnungen in Bezug auf die kommenden Olympischen Spiele in Rio. Es werden seiner Einschätzung nach 15 bis 20 Sportler aus dem Saarland dabei sein. Ob das Aspiranten auf Medaillen sind, wird sich zeigen. Aber eines sei sicher: Es werden deutsche Sportler Medaillen gewinnen.

Im Rahmen des Sportforums wurden auch die Zertifikate an die Teilnehmer der diesjährigen Grundlagenausbildung verliehen.


Weitere Stimmen zum Abend:

Cornelia Hoffmann-Bethscheider (Präsidentin des Sparkassenverbandes Saar): Wir haben seit Jahren eine enge Verbindung zum Saarländischen Fußballverband. Für uns stehen dabei der Fair-Play-Gedanke, die Fair-Play-Geste und der Sparkassen-Jugendcup ab dem kommenden Jahr im Mittelpunkt.

Frank Jakobs (Vorstandsvorsitzender Sparkasse Merzig-Wadern): Wir sind im Verbund der Sparkassen gemeinwohlorientiert. Wir können und sollen auch etwas für die Region tun. Das machen wir gerne, sind Partner und Hausbank vieler Vereine, das sieht man beispielsweise an der Bandenwerbung. Das ist uns wichtig.

Jochen Kuttler (Bürgermeister der Stadt Wadern): Ich muss gestehen, ich habe von Fußball nicht den blassesten Schimmer, aber der Name Wollscheid war mit bekannt. Er ist ein sehr sympathischer, geerdeter Mensch, ein original Morscholzer Gewächs, ein Mensch mit einer großen Leidenschaft für den Sport, der die Fähigkeit hat, andere zu begeistern.

Noch mehr Fotos finden Sie in unserer Bildergalerie.

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